Hilfe! Meine Wohnung erstickt im Chaos...

Tipps, um die Unordnung systematisch anzugehen

16.09.2008 Elvira Lauscher

Unordnung kann belastend sein - Elvira Lauscher
Unordnung kann belastend sein - Elvira Lauscher
Es gibt ordentliche Menschen, die räumen einfach auf. Bei anderen scheint das Chaos auf Schritt und Tritt zu folgen. Doch auch der Haushalt kann besser gemanagt werden.

Ein chaotischer oder kreativer Mensch wird wahrscheinlich nie eine überall perfekt aufgeräumte und ordentlich geputzte Wohnung erreichen. Und dies ist auch gar kein erstrebenswertes Ziel, da die Wohnung, wie die Kleidung, ein Spiegel der Persönlichkeit ist. Aber das Chaos kann auch belastend werden, der dauernde Kampf um die Ordnung aufzehren. Daher ein paar Tipps, wie man sich selbst überlistet, um weniger Frust beim Aufräumen zu erleben.

Relativitätstheorie: Zeit ist relativ

Das wusste schon Albert Einstein und auch wenn er bei seiner Theorie sicher nicht an Hausarbeit gedacht hat, kann diese Erkenntnis nützlich sein. Jeder weiß, wie sehr sich das Zeitempfinden je nach persönlicher Verfassung verändert und eine Stunde ungeliebte Hausarbeit kann sich leicht wie zwei Stunden anfühlen. Stoppen Sie die Zeit, die Sie für bestimmte Dinge brauchen und notieren Sie sich diese auf. Oftmals ist man selbst erstaunt, dass zum Beispiel die Spülmaschine ausräumen effektiv nur fünf bis zehn Minuten braucht. Die Zeit davor, die es benötigt, um sich dazu aufzuraffen und zum Tun zu motivieren, ist oftmals ungleich länger und macht so aus einer eigentlich kurzen Tätigkeit einen großen, fast unüberwindbaren Berg.

Kleine Arbeiten zuerst erledigen

Suchen Sie sich mehrere Arbeiten, die höchstens zehn Minuten Zeit brauchen. Dafür sollen Sie in den Raum gehen, über dessen Unordnung Sie sich heute schon am meisten geärgert haben. Meist sind dies „öffentliche Räume“, die auch Besucher zuerst sehen und die Ihnen vielleicht „peinlich“ sind. Schauen Sie nicht in den ganzen Raum, sondern nur auf kleine Ecken und abgrenzbare Bereiche. Suchen Sie sich mehrere kleine Arbeiten aus und notieren Sie diese auf einem Zettel. Kleine Arbeiten könnten sein „Esstisch abräumen“, „um und unter dem Esstisch saugen“ oder „Stühle rund um den Esstisch abstauben“. In keinem Fall sollte nie eine allgemeine Bezeichnung wie „Esszimmer aufräumen“ auf dem Zettel stehen, da dies zu unpräzise ist. Stellen Sie sich den Wecker in zehn Minuten-Etappen und erledigen Sie jede Arbeit nach und nach und in der Reihenfolge des Zettels. Eine erledigte Arbeit kann – zur Selbstkontrolle – mit den Minuten versehen werden – und sollte – zur Selbstmotivation – durchgestrichen werden.

Ortswechsel möglichst vermeiden

Sehr oft passiert es, dass man nicht bei einer Aufräumstelle bleibt. Wenn man den Esstisch abräumt, stellt man zum Beispiel fest, dass auch die Küche mal wieder aufgeräumt oder geputzt werden müsste. Lassen Sie sich aber nicht von dem selbst gesteckten Ziel ablenken. Es wird nur das verräumt, was zum Punkt "Esstisch abräumen" gehört. Wenn Sie merken, dass Sie doch etwas anderes tun, gehen Sie zurück zu dem Zettel und arbeiten Sie diesen weiter Punkt für Punkt ab.

Nur höchsten drei bis vier Punkte vornehmen

Überfordern Sie sich nicht. Drei bis vier durchgestrichene Punkte auf Ihrem Zettel genügen für den Anfang. Sie werden sehen, welch ungeheure Befriedigung Sie erfahren, wenn Sie dies konsequent durchgearbeitet haben. Nehmen Sie sich danach die Zeit, das Geleistete zu bewundern und sich selbst zu loben. Belohnen Sie sich. Es gibt Dinge, die Sie gerne tun. Ein Eis essen, ein Buch lesen oder auch mit Freunden telefonieren. Schauen Sie auf die tatsächliche Zeit, die Sie dafür gebraucht haben, eine Ecke in Ihrer Wohnung aufzuräumen. Sie werden verblüfft sein, dass es vielleicht nur eine halbe Stunde Aufwand war, die aber ein großartiges Ergebnis erzielt hat.

Setzen Sie sich neue Ziele

Wenn Sie mit dem Ergebnis zufrieden sind, dann setzen Sie sich neue Ziele. Ob am gleichen Tag oder für den nächsten, bleibt Ihnen überlassen. Gehen Sie dazu durch die ganze Wohnung und schauen Sie sich mindestens drei Minuten in jedem Raum um. Sie werden Stellen bemerken, die Sie schon lange stören, aber die Sie immer wieder ausgelassen haben. Konzentrieren Sie sich auch hier wieder auf die einzelnen Stellen und lassen Sie sich nicht von Gedanken wie „der ganze Raum ist ein einziges Chaos“ frustrieren. Versuchen sie auch in einem allgemein chaotischen Zimmer ein paar kleine „Aufräum-Etappen“ zu finden, die sie wieder auf einen Zettel schreiben, um diese – wie oben beschrieben – abzuarbeiten.

Krankhafte Ursachen für Unordnung sind möglich

Wer allerdings unter dem Messie-Syndrom (mess = Unordnung, Dreck, Durcheinander...) leidet, sollte in jedem Fall einen Therapeuten aufsuchen, da der Zwang zum Horten von oft unnützen Dingen meist eine psychische Ursache hat. Auch Menschen mit ADS (AufmerksamkeitsDefizitSyndrom) oder ADSH (AufmerksamkeitsDefizit-/HyperaktivitätsSyndrom) leiden meist unter der eigenen Unordnung. Die oben genannten Tipps können hilfreich sein, ersparen aber bei starkem Leidensdruck nicht den Gang zum Arzt.

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